Zeit für mich. Als Mama?

Ich gebe zu: Wenn ich eines unterschätzt habe in der Schwangerschaft bzw. noch bevor ich überhaupt schwanger war, dann, wieviel weniger Zeit ich als Mama „für mich“ zur Verfügung haben würde.

Ich hörte zwar von vielen, dass sie zu fast gar nichts mehr kommen. Dennoch habe ich das nicht verstehen können und hinterfragt. Ich erinnere mich noch, wie ich eine Freundin, die damals schon Mutter war, fragte, was man denn die ganze Zeit so mache. Warum man denn an einem normalen Tag im ersten Jahr mit Baby – also an einem Tag, an dem man nicht arbeiten muss – keine Zeit finden solle für Dinge, die man gerne tut (neben der Beschäftigung mit dem Kind, meine ich natürlich). Und sie erklärte mir, dass man mit so einem kleinen Wesen eben immer gut beschäftigt sei und so ein Tag dann ziemlich schnell vorbei ist, ohne dass man irgendwas „geschafft“ hätte. Aber so ganz nachvollziehbar war das für mich trotzdem nicht.

Deshalb plante ich für mein erstes Jahr in Elternzeit auch schon gedanklich Dinge ein, die ich gerne machen würde – wie beispielsweise diesen Blog schreiben, oder meine Website als Coach erstellen, Yoga machen usw.Schon auch immer mit dem Gedanken „Ich weiß ja überhaupt noch nicht, wie es wird – also lieber nichts zu fest vornehmen oder einplanen“. Aber trotzdem sagte ich mir, dass ein GANZES JAHR Elternzeit ja dann doch viel Zeit wäre.

Und nun sind schon 7 Monate davon vergangen. Und ich habe noch nicht wirklich VIEL von dem gemacht, was ich mir so vorgenommen hatte.

Zeit für mich – the struggle is real

Um eines vorweg zu nehmen: Ich bin mir bewusst, dass ich es mit meinem Kleinen ziemlich gut habe. Er ist ein sehr pflegeleichtes Baby. Er kann sich vorzüglich über wirklich lange Zeiträume alleine beschäftigen. Er schreit äußerst wenig. Ich komme gefühlt zu mehr Dingen wie z.B. lesen, als viele andere Mamas, mit denen ich mich so austausche.

Dennoch ist es einfach so viel WENIGER Zeit, die ich für mich zur freien Verfügung habe, als ich es gewohnt war. Denn jetzt weiß ich aus eigener Erfahrung, mit WAS man den ganzen Tag so beschäftigt ist: Primär ist es die Tatsache, dass man jetzt fremdbestimmt ist. Das Baby gibt den Takt vor und das macht es so schwer, irgendeine Tätigkeit „durchzuziehen“. Da fängt man an, die Wäsche in die Maschine zu räumen, wird unterbrochen, und stellt die Maschine erst eine Stunde später an. Das ist an sich noch kein großes Problem. Schwieriger wird es beim Kochen, was man nicht immer so einfach unterbrechen kann. Oder beim Essen.

Und so ziehen sich die einzelnen Tätigkeits-„Häppchen“ über den Tag und am Abend ist kaum etwas im Haushalt geschafft. Was dazu führt, dass ich vieles mache, wenn der Mann nach Hause kommt – zum Beispiel Kochen, die Küche aufräumen usw. (An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass auch mein Mann viel im Haushalt macht und sich ebenfalls bestens um das Kind kümmert. Nicht, dass hier ein falsches Bild entsteht 😉 ). Und danach wird der Kleine ins Bett gebracht, wir essen – und schon ist es halb 10. Wenn ich jetzt noch alles machen würde, was ich gerne machen MÖCHTE, dann käme ich nicht vor Mitternacht ins Bett. Was in der Tat an dem ein oder anderen Tag so passiert. (Gehe ich überhaupt regelmäßig VOR Mitternacht ins Bett???)

Daher lautet die Frage: Schafft man es als Mutter, sich genügend Zeit für sich selbst – sprich, für Dinge, die einem gut tun – zu nehmen, und trotzdem genügend Schlaf zu bekommen (sofern das Kind einen lässt), den Haushalt nicht komplett zu vernachlässigen, die Beziehung zum Mann zu pflegen und ggf. sogar „nebenbei“ noch zu arbeiten? Und das eventuell sogar mit einem Baby, das nicht so pflegeleicht wie unser Kleiner ist?

Selbstfürsorge priorisieren

Ich glaube, es ist für Mütter zwingend notwendig, sich immer wieder kleine Auszeiten zu nehmen und Dinge zu tun, die ihnen gut tun, um ihre Akkus aufladen. Denn sonst ist das Fass ruck zuck übergelaufen, die Mama ausgebrannt, nichts geht mehr. Ich persönlich finde es zudem unglaublich wichtig, etwas für mich zu tun, um ich selbst zu bleiben. Um eben nicht NUR Mutter zu sein, sondern auch die Frau, die gerne liest, die Yoga macht, die schreibt und coacht.

Damit wäre das zeitliche Problem jedoch noch nicht gelöst. Wie schafft man das alles in den 24 Stunden, die ein Tag nun mal nur hat?

Ich habe leider noch kein Patentrezept gefunden, denn die größte Schwierigkeit ist ja vor allem die Fremdbestimmtheit. Die Nicht-Planbarkeit. Das Unvorhersehbare. Da kann man Zeitslots für sich einplanen, so viel man möchte – wenn das Baby nach dem Einschlafen nochmal aufwacht und Trost braucht, dann kommt man trotzdem nicht zum Lesen/Yoga/Schreiben/Schlafen.

Flexibel bleiben

Und so glaube ich, dass es vor allem Flexibilität braucht – sowohl praktische als auch geistige.
Die praktische, um die Zeitfenster zu nutzen, die sich spontan ergeben: Wenn das Baby einen verlängerten Mittagsschlaf macht, sich plötzlich mit Hingabe mit dem neuen Spielzeug beschäftigt, oder vielleicht morgens noch schläft, wenn man selbst gerade aufwacht. In einem Buch lesen kann man nämlich auch bestens in nur 10 Minuten. Sich frei machen von dem Gedanken, dass man jetzt „mindestens eine halbe Stunde ungestörte Zeit“ braucht, um Yoga machen zu können. Stattdessen einfach die Zeit nutzen, die man gerade hat. Und da sind 5 Minuten Yoga besser als gar kein Yoga.

Praktische Flexibilität, um die Zeitfresser zu erkennen, die einen davon abhalten, die vorhandene Zeit zu nutzen statt sie zu verplempern. Stichwort Social Media, Handynutzung etc. Wieviel mehr Zeit könnte man ins Lesen investieren, wenn man all die 5-Minuten-Slots nutzen würde, die man sonst mit Social Media „überbrückt“? Aus eigener Erfahrung weiß ich: Eine Menge!

Und die geistige Flexibilität dafür, weil es eben nicht immer so kommt, wie man es sich wünscht. Weil es Tage gibt, an denen man so gar keine Zeit für sich findet. Und weil es so anders ist, als man es gewohnt war. Weil man lernen muss, die kurzen Zeitfenster, die man für sich hat, wertzuschätzen und sich dafür anzuerkennen. Statt der anderthalbstündigen Morgenroutine, die man in der Zeit vor dem Kind jeden Tag durchführen konnte, jede einzelne Minute zu schätzen, die man sich für sich selbst Zeit genommen hat. Denn letztlich kommt es doch darauf an, aus den gegebenen Umständen das Beste zu machen und sich selbst dabei nicht zu verlieren.

Wir können nicht alles kontrollieren. Aber wir können entscheiden, wie wir mit dem umgehen, das wir kontrollieren können – und noch viel wichtiger: Wie wir uns damit fühlen wollen.

Ein Eintrag zu „Zeit für mich. Als Mama?

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